Skip to content

Afrika in Munich, Bassekou Kouyate & Ngoni Ba live im Ampere München am 14.07.2012

Bassekou Kouyate & Ngoni Ba Mali live Afrika Konzert Wer hätte vor einigen Monaten gedacht, dass es ein Thema werden könnte, ob Musiker aus Mali noch Musik machen und auftreten würden können? Nun, seit dem Umsturz Ende März und der anschließenden Besetzung des größeren nördlichen Teils des Landes durch Tuareg und dann konservative Islamisten ist dieser Gedanke nicht mehr so abwegig, wenn eine Befriedung nicht gelingen sollte. Man kann froh sein, dass es noch nicht so weit gekommen ist und hoffentlich nicht kommen wird. Trotzdem war die Frage, wie sich Bassekou Kouyate und Ngoni Ba im Angesicht dieser Entwicklung an diesem Abend im Ampere präsentieren würden. In der Tradition von Ali Farka Toure, mit dem Bassekou noch gespielt hatte, und der ersten Platte „Segu Blue“ hätte man durchaus mit schwerem Blues rechnen können, mit dem sich die Gruppe ihr Leid von der Seele hätte spielen können. Nun sprach Bassekou während des Konzertes die gegenwärtige Situation in seinem Land an und bat um Verständnis und Unterstützung. Umso mehr überraschten sie mit der Musik, die sie spielten.

Schon kurz nach Beginn legte die Gruppe einen Groove an den Tag, der insbesondere bei der Instrumentierung so nicht zu erwarten war. Fast hätte man meinen können, Bassekou und Ngoni Ba wollten mit Tempo gegen die bedrohlich bedrückende Situation anspielen. Selten sah man Kalabasse, Yabara und Dunun so einen treibenden Rhythmus erzeugen, wie an diesem Abend. Es zeigte sich einmal mehr, dass es nicht auf die Größe und den Umfang von Percussioninstrumenten ankommt, sondern die Fertigkeit sie zu spielen. Zusammen mit den verschiedenen Ngonis ergaben sie einen erstaunlich dichten Klangteppich. Überhaupt scheint es beim Unternehmen Ngoni Ba die Spielfreude zu beflügeln, dass ein Familienunternehmen den Rahmen bildet. Neben Bassekou Kouyate standen nämlich noch seine Frau Amy Sacko, die Sängerin, und zwei Söhne auf der Bühne. Aber auch die Nichtfamilienmitglieder hatten ihren Platz und den Mienen aller war anzusehen, dass sie gerne ihren Teil in das Gesamtprojekt einbrachten. Die Bühnenbeleuchtung blieb den ganzen Auftritt über bei einer festen Einstellung und das war so gut und angemessen. Insgesamt war es eine Freude, diesen Abend im Ampere zu verbringen. Diese Hingabe lässt hoffen, dass die Musiker Malis die schwierige Zeit überstehen. Die Sängerin Oumou Sangare sagte kurz nach den Unruhen, sie werde weiterspielen, egal was komme und die Musik könne man ihr nicht nehmen. Mögen Bassekou Kouyate und Ngoni Ba sich ihr anschließen.   

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

zu den Fotos