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Bericht: Konzert mit Oscar D’Leon am 17.07.2014 im Bayerischen Hof München

140717_Oscar_de_Leon_Munich_DSC_0150Wer kann es sich schon erlauben mit seinem vielleicht größten Hit ein Konzert zu eröffnen? Oscar D’Leon startete an diesem Abend mit „Llorarás“, einem der Salsaklassiker schlechthin. Seine letzten beiden Auftritte fanden in anderen Räumlichkeiten statt und so erschien es fast konsequent, dass er nun zum diesjährigen Jazzsommer im Festsaal des Bayerischen Hofs als Hauptvertreter die dieser Veranstaltung regelmäßig und traditionell eingeräumte Latinfahne hochhalten durfte. Es ist eine Rolle, die ihm vor vielen Jahren am selben Ort schon mal zuteil geworden war. Umso mehr durfte man gespannt sein, wie der große „Altmeister“ nach diesem Intro den weiteren Verlauf des Abends gestalten würde. Nun, er tat es mit Bravour. In einem Alter, in dem fast jeder seinen Ruhestand genießt, eilte D’Leon agil und mit guter Intonation durch eine geraume Anzahl von Krachern. Ohne Mühe kann er es sich leisten aus einem großen Fundus einen Abend zu gestalten und zu variieren. Er legte den Schwerpunkt auf ganz unterschiedliche traditionelle Latinrhythmen und beschränkte sich dabei nicht nur auf sein ureigenes Repertoire.

Kamen eingefleischte D’Leon Fans damit vielleicht weniger auf ihre Kosten, war dies auch ein Zugeständnis an die Zusammensetzung des Publikums. Führt die Atmosphäre des Festsaals doch immer wieder dazu, dass für einen gehörigen Anteil der Besucher dieser Ort eine entscheidende Rolle für ihr Kommen spielt und man sie in einer anderen Lokalität wohl kaum antreffen würde. D’Leon machte dabei Station bei einigen namhaften Interpreten der Latinmusik, wie Celia Cruz oder Tito Puente, mit denen er schon zusammengearbeitet hat und die hier nur stellvertretend genannt sein möchten. Der Tradition zugewandte Fans mögen mit Genugtuung bemerkt haben, dass D’Leon keine Zugeständnisse an Reggaeton oder Rap nötig hatte. Er gönnte sich und seinem fünfzehnköpfigen Orchester, das routiniert schon allein mit jeweils drei Posaunen und Trompeten hinter und neben ihm stand, kaum Pausen zwischen den Liedern. Trotzdem blieb Zeit für einige Tänzchen auf der Bühne mit Damen, die die Gelegenheit, einem der ganz großen Soneros für ein paar Minuten näher kommen zu können, nicht auslassen wollten. Die Spannung blieb hoch und als man schon glaubte, dass das Konzert gar nicht mehr enden würde, trat der Meister nach zweidreiviertel Stunden plötzlich ab. Da wurde ihm auch verziehen, dass nach einigen Minuten klar war, dass es keine Zugabe geben würde. Wer wollte, konnte den Abend noch mit einigen Nummern von DJ Chuck Herrmann ausklingen lassen.

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

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