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Issac Delgado mit Orquesta Salsabroso in der Freiheizhalle 17.05.12

Issac Delgado live München 2012

Issac Delgado live München 2012

Eigentlich war es eine Art Premiere, obwohl er nicht zum ersten Mal den Weg nach München gefunden hatte. Sieben Jahre ist es schon her, seit Issac Delgado im fast schon historischen Palacio2 aufgetreten ist. Damals war er noch im kubanischen Kokon unterwegs. Im Jahr darauf wagte er dann einen Schritt, den vor ihm schon einige kubanische Musiker gegangen waren. Er siedelte in die USA um. Nicht allen vor ihm hat diese Entscheidung zum Vorteil gereicht. Manche wurden schlichtweg über- oder umproduziert, um ein breiteres Publikum zu erreichen und verloren dabei ihre ursprüngliche Identität. Andere verschwanden in der Folge in der Versenkung. So war es durchaus spannend zu beobachten, wie die Entwicklung bei Issac Delgado weitergehen würde. Er war ja schon immer etwas anders als die anderen: Seine Timba waren etwas weicher und die Arrangements manchmal etwas vertrackter. Viel war auch seiner Stimme zuzurechnen. Nicht mit einer Kraft wie manch andere Soneros ausgestattet, erzeugte dafür seine Sanftheit ein unverwechselbares Erkennungsmerkmal.

Nun, Issac Delgado hat der Umzug zumindest nicht geschadet. Seither neu eingespielte Aufnahmen klingen vielleicht tatsächlich ein bisschen mehr nach größerer Zielgruppe. Man hört einen Synthesizersprengsel hier und da, wie er so früher nicht vorgekommen ist. Insgesamt konnte er seinen Stil aber beibehalten. Das demonstrierte er auch nachdrücklich an diesem Abend in der Freiheizhalle. Unterstützt von dem zwölfköpfigen Orquesta Salsabroso, das hauptsächlich aus kolumbianischen und venezolanischen Musikern besteht, lieferte er einen eindrucksvollen Querschnitt seiner bisherigen Laufbahn. Die Zusammenarbeit mit nichtkubanischen Musikern hat insgesamt sogar dazu beigetragen, den Horizont zu weiten. Gut ist aber auch, dass er seinen Wurzeln trotzdem nicht untreu geworden ist. So ganz lässt sich kubanische Präsenz, wenn auch „nur“ im Publikum, aber doch nicht ersetzen. An einigen Stellen des Konzertes hatte man nämlich ein stärkeres Aufkommen seiner Landsleute schon vermisst, obwohl natürlich einige anwesend waren. Immer wenn Delgado den Saal in seine Lieder einbeziehen wollte – und das geschah häufig, war die Resonanz doch recht dürftig. Wenn es um die Unterstützung ihrer Landsleute auf der Bühne geht, sind Kubaner als Stimmungsmacher nämlich kaum zu schlagen. Vielleicht waren die Anwesenden auch etwas irritiert, kam doch entgegen üblicher Gepflogenheiten keine Dame auf die Bühne, um die Hüften zu schwingen. Trotzdem darf die „Premiere“ gerne eine Fortsetzung finden. In einem ist sich Delgado übrigens sichtbar treu geblieben: Der Notenständer findet immer noch seinen Platz neben dem Mikrofonständer.

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

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