Skip to content

Juan-Luis Guerra in der Tonhalle München am 02.07.12

Damit hatte wohl keiner der Fans gerechnet, die an diesem Abend zahlreich in die Tonhalle gepilgert waren. Das hätten sie zuhause vielleicht bequemer haben können. „Guerra-TV“ war auf der großen Leinwand angekündigt. Natürlich war das Ganze nur das visuelle Beiwerk zum Auftritt von Juan-Luis Guerra und seiner 16-köpfigen Formation 4:40. Nun war er wirklich zum ersten Mal und für ein einziges Konzert in Deutschland nach München gekommen. Er ist unter die ganz Großen der Stars der Latinomusiker einzuordnen. Viele Generationen von Latinotänzern und –Tänzerinnen haben auf seine Rhythmen schon getanzt und sind beim Bachata dahingeschmachtet. Er schaffte es an diesem Abend einen Hauch von Madison Square Garden in die Halle zu zaubern. Es war auch fast ein Heimspiel. Die Latinogemeinde, die zum Teil einen weiten Weg auf sich genommen hatte, war fast unter sich. Der Großteil des Publikums kannte seine Lieder und wusste sie lautstark mitzusingen, ganz gleich, ob Guerra sie dazu aufforderte. Es ist sicher keine Übertreibung, ihn als den erfolgreichsten Vertreter von Merengue und Bachata zu nennen.

Dass er auch Salsa spielen kann, bewies er mit einer Nummer gegen Anfang seiner Show. Er blieb aber hauptsächlich doch bei Merengue und Bachata und durchlief in der Folge einen Querschnitt seines Schaffens, das seine größten Hits in den zweiten Teil der Show legte. Zur Hälfte gönnte er sich mal eine kurze Pause, während der seine Musiker das Zepter für eine Nummer übernehmen durften. Eigentlich ist es schon erstaunlich, welche Erfolge Guerra in seiner nun doch schon fast an die 30 Jahre währenden Karriere feiern konnte. Gleicht sein Äußeres doch so gar nicht dem Klischee des gutaussehenden, machohaften Latinos, was ihm nicht wenige seiner Sängerkollegen voraushaben. Mit seiner nicht wegdenkbaren Kopfbedeckung könnte er in Deutschland fast als ein jüngerer Freddy Quinn durchgehen. Der Vergleich funktioniert aber nur solange, bis er zu singen anfängt. Es ist fast einzig und allein seine einprägsame und unnachahmliche Stimme, mit der er sich in fast alle Herzen begeben konnte. So handelt ein Großteil seiner Lieder von „amor“ und allem was damit zusammenhängt, also der schönsten Sache der Welt. Aber auch andere alltägliche Geschichten aus der Karibik, wie „la guagua“,  inspirieren ihn zu seinen Songs. Jede Geschichte wurde untermalt mit Bildern aus seinem Fernsehprogramm. Da durfte es bunt und einfach zugehen, comichafte Sprechblasen wechselten sich ab mit Straßenszenen aus der Dominikanischen Republik. Da wurde das Leben für einen Abend leicht und einfach. Leider hat auch das schönste Fernsehprogramm mal ein Ende. Nicht ohne ein paar Zugaben, am Schluss akustisch, verabschiedete sich Guerra bevor er den „Aus-Knopf“ drückte. Ob er uns seinen Fernsehkanal ein andermal wieder präsentieren wird?  

Stephan Deisler für www.Latino-Groove.de

zu den Fotos